Meine Frau
Ob wir immer an das Schicksal glauben oder nicht spielt eigentlich gar keine so grosse Rolle. Tatsache ist, dass das Schicksal, wie wir es nennen uns zum Teil auf schwere Proben stellt. Wir fragen uns, haben wir dies verdient? Was haben wir verbrochen, dass uns das Schicksal so hart zu Boden drückt? Doch nun von ganz vorne, die Liebe zu meiner Frau ist grenzenlos, alles scheint perfekt zu sein. Ein neuer Job, das Haus, welches wir uns erträumt haben, wartet regelrecht auf uns. Eingezogen im Paradies scheint alles auf unserer Seite zu stehen. Unser Glück ist vollkommen mit der Geburt unserer Tochter. Wir sehen sie aufwachsen, unser Herz schlägt für sie, eine kleine und glückliche Familie.
In Gedanken, dass uns nichts stoppen kann auf unserem Lebensweg geniessen wir Tag für Tag, Woche für Woche und Jahr für Jahr. Die Zeit vergeht wie im Flug und unsere kleine Prinzessin wächst praktisch von Tag zu Tag und füllt unsere Herzen mit Stolz. Da sind in Sekunden die schlaflosen Nächte, Windeln wechseln und die Schattenseiten, «des Eltern seins» vergessen. Um nichts in dieser Welt würden wir tauschen wollen. Wir leben unsere Familie und wir haben unsere Berufung gefunden, die unserem Leben den letzten Schliff verleiht.
Das Träume platzen können, erleben wir auf die ganz harte Art und Weise. Dunkle Wolken am Himmel, meinen Herzschlag spüre ich wie nie zuvor in meinem Leben. Die Nachricht ist wie ein Schlag ins Gesicht, ich stehe im Raum und alles entfernt sich weit von mir, obwohl ich nicht alleine bin. Die Realität scheint sich wie in einem Film von einem Moment zum anderen völlig zu verändern. Eine unheilbare Krankheit, ich höre es, ich verstehe es aber kann es nicht akzeptieren, geschweige den glauben. Ich will es nicht glauben. Was soll ich überhaupt noch glauben? Meine Wahrnehmung scheint regelrecht verzerrt und verzweifelt versuchen wir einen Lösungsansatz zu finden. Leider scheint die Situation aussichtslos.
Kann ich mich auf den Tod meiner Frau vorbereiten? Ich sehe den Menschen, den ich von tiefstem Herzen liebe, sterben. Wie kann ich ein solches Schicksal ertragen? Wie wird es sein, ohne sie da zu stehen? Ist dies alles ein böser Traum? Bitte holt mich hier raus. Meine Gedanken sind nicht bei mir, sondern nur bei meiner Tochter und meiner Frau. Wann wird der Zeitpunkt da sein, wann muss sie von uns gehen? Ich sehe meine Frau sterben, ich muss mir dies bewusst sein und für sie stark bleiben. Der tägliche Gang in den Spital ist schwer, schwer zu ertragen. Doch habe ich keine andere Wahl, es sind die letzten Momente, die wir zusammen erleben können. Ist es egoistisch, wenn ich einen Tag keine Lust habe, den Weg auf mich zu nehmen? Ist keine Lust der falsche Audruck? Habe ich keine Kraft mehr dies zu ertragen? Ich bin es meiner Frau sowie meiner Tochter schuldig.
Der Tag X ist da, meine Frau ist von uns gegangen und darf nun ihren Leidensweg beenden. Es ist hart zu akzeptieren, ich muss es leider Gottes akzeptieren, da es die Realität ist.
Wie geht es jetzt weiter, habe ich genug Kraft, um dies durchzustehen? Meine Liebe im Herzen ist stark genug, um diesen Weg in die Zukunft zu starten. Den Weg für meine Tochter und mich. Die Zukunft ist weit entfernt und dennoch so nah, i weiss nicht wohin diese genau führt, ich weiss nicht welchen Weg ich schlussendlich beschreiten werde. Was ich weiss ist, dass ich alles menschenmögliche unternehmen werde, alles menschenmögliche, möglich mache um weiter zu leben, weiter zu kämpfen. Ein heller Stern am Himmel wird immer über uns wachen und uns den Weg zeigen. Ich fühle mich geborgen und werde dieses Gefühl meiner Tochter weitergeben. Sie ist der Antrieb meiner Seele. Die Liebe wehrt ewig und über den Tod hinaus. Ein Herz voller Liebe ist im Stande unmögliches wahr werden zu lassen. Getragen von diesen Gedanken beschreite ich nun meinen Lebensweg.
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